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Frage 6

Was Meinen Die Heiligen Der Letzten Tage, Wenn Sie Sagen, Dass Gott Einst Ein Mensch War?

Josep Smith lehrte im April 1844:

„Gott selbst war einst wie wir jetzt sind. Er ist ein erhöhter Mensch und sitzt auf seinem Thron in den Himmeln da drüben. Das ist das ganze große Geheimnis. Würde der Schleier heute zerrissen und der erhabene Gott, der die Welten in ihren Bann hält, und der alle Welten und alle Dinge durch seine Macht aufrechterhält, sich sichtbar machen, ich sage, wenn sie Ihn heute sehen könnten, dann würden sie Ihn in der Gestalt eines Menschen sehen – in Person, Erscheinung und Gestalt dem Menschen ähnlich.

Es ist der erste Grundsatz des Evangeliums, mit aller Gewißheit das Wesen Gottes zu kennen und zu wissen, daß wir mit ihm sprechen können, wie ein Mensch mit einem anderen spricht und daß er einst ein Mensch war wie wir; ja, daß Gott selber, unser aller Vater, auf einer Erde lebte, wie sein Sohn Jesus Christus es tat.”23 Wie wir bereits sahen, faßte der fünfte Prophet der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage diese Lehre in einem Zweizeiler zusammen.

Wie der Mensch jetzt ist, so war Gott einst;
Wie Gott jetzt ist, so kann der Mensch sein.24

In der Verkündigung dieser Lehre haben weder Joseph Smith noch seine Nachfolger je den Gedanken erwogen, den Allmächtigen zu begrenzen oder herabzusetzen. Das Buch Mormon sowohl als auch die Lehre und Bündnisse erklären nachdrücklich, daß es kein Wissen, keine Macht und keine göttliche Eigenschaft gibt, die Gott nicht in Vollkommenheit besitzt. „O wie groß ist die Heiligkeit unseres Gottes! Denn er weiß alle Dinge, und es ist nichts, was er nicht kennt.” (2 Nephi 9:20; 2 Nephi 2:24; Moroni 7:22) Er besitzt in der Tat „alle Macht, alle Weisheit und allen Verstand.” (Alma 26:35)  Er, der „mächtiger als die ganze Erde ist”, (1 Nephi 4:1) „begreift alle Dinge und alle Dinge sind vor ihm”. (L&B 88:41) Die Mormonen akzeptieren in der Tat, daß „es einen Gott im Himmel gibt, der unendlich und ewig ist, derselbe unveränderliche Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, der Schöpfer Himmels und der Erde und aller Dinge, die darin sind.” (L&B 20:17)

Sterblichkeit

Der Glaube, daß Gott einst ein sterbliches Wesen war, steht in keiner Weise im Widerspruch mit der Tatsache, daß er jetzt allmächtig und allwissend ist und alle Tugenden, Gnade und göttlichen Eigenschaften besitzt. Er erlangte Vollkommenheit durch lange Wachstumsperioden, durch Entwicklung und Fortschritt, „indem man von einer niederen Stufe zu einer höheren fortschreitet, von einer kleinen Fähigkeit zu einer größeren, von Gnade zu Gnade, von Erhöhung zu Erhöhung”, so sagte Joseph Smith. „Wenn sie eine Leiter hinaufsteigen, müssen Sie unten anfangen und dann Sprosse um Sprosse emporsteigen, bis Sie oben sind. So verhält es sich auch mit den Grundsätzen des Eavangeliums – Sie müssen mit den ersten Grundsätzen beginnen und dann weiterfahren und schließlich alle Grundsätze der Erlösung lernen. Es wird aber eine lange Zeit vergehen, auch nachdem sie bereits hinter den Schleier gegangen sind, bis Sie alle gelernt haben. Man kann nicht alles in dieser Welt verstehen. Es wird eine große Arbeit sein, die sich über das Grab hinaus erstreckt, um unsere Seligkeit und Erlösung zu lernen.”25

Von Ewigkeit Zu Ewigkeit

Wie aber vereinbaren die Heiligen der Letzten Tage die schriftliche Beschreibung Gottes als „von Ewigkeit zu Ewigkeit” mit der Idee, daß er nicht immer Gott war? Sie gauben, daß die biblische Schriftstelle, die von einem ewigen Gott spricht, und daß er der gleiche  ist gestern, heute und für immer, sich auf die göttlichen Eigenschaften bezieht, auf seine Liebe, seine  Beständigkeit und seine Willigkeit, sein Volk zu segnen (Psalm 102:27; Hebräer 1:12;13:8). Solche Schriftstellen findet man auch im Buch Mormon und in den Lehr und Bündnissen. Auch hier beziehen sich die Stellen auf Gottes göttliche Natur. (1 Nephi 10:18-19; 2 Nephi 27:23; Mormon 9:8-11,19; Moroni 8:18;10:7; L&B 3:2; 20:12,17; 35:1)

Nicht viel ist über diese Auffassung offenbart worden, nur die Tatsache, daß Gott einmal ein Mensch war und daß er über eine lange Zeitspanne das Wissen, die Macht und die göttlichen Eigenschaften erwarb, um allwissend und allmächtig zu sein. Weil Gott seine höchste Seinsstufe schon seit einer langen, langen Zeit innehatte, länger als wir es uns je vorstellen können, ist er fähig, den Ausdruck, er sei „von Ewigkeit zu Ewigkeit”, zu gebrauchen. Präsident Joseph Fielding Smith erklärte: „Von Ewigkeit zu Ewigkeit” erstreckt sich von der geistigen Existenz über die Bewährungszeit, in der wir uns jetzt befinden, bis wiederum hin zur ewigen Existenz, die dann folgt. Sicherlich hat diese Entwicklungsphase Ewigkeitswert, denn wenn wir teilhaben an der Auferstehung, werden wir nie sterben. Wir alle befanden uns in der ersten Ewigkeit. Ich denke, sagen zu können, daß ich und andere aus der Ewigkeit stammen, und wir werden die endlose Ewigkeit besitzen, wenn wir die Erhöhung erworben haben.”26

Empathie

Präsident Brigham Young lehrte, daß unser Vater im Himmel all die Trübsale über sich ergehen ließ, die auch wir jetzt über uns ergehen lassen müssen; Er hat seine Erfahrungen gemacht, hat gelitten und hat Freude erlebt, Er kennt all die Dinge, die uns bekannt sind, wie Verstrickungen, Leiden, Leben und Tod in dieser Welt der Sterblichkeit, denn Er hat all diese Stufen durchlaufen und hat so seine Krone und seine Erhöhung erworben.”27 Männer und Frauen sehen ihn als einen Vater und beten zu ihm mit der Gewißheit, daß  Er  unseren Daseinskampf versteht. Seine Erfahrung erhöht sein Einfühlungsvermögen und seine allwissende und allumfassende Fähigkeit, seine Kinder recht zu richten. Präsident Young bemerkte, „daß Gott die zeitlichen Dinge versteht und daß er einen Körper gehabt hat und auf dieser Erde gewesen ist. Wenn es nicht so wäre,  würde Er nicht wissen, wie er die Menschen in Anbetracht der Versuchungen und Sünden, denen sie ausgesetzt waren, gerecht richten sollte.”28

Für die Heiligen der Letzten Tage ist Gott mehr als die größte kosmische Macht oder der Urgrund allen Seins; Er ist eine Persönlichkeit, ein erhöhter „Mann der Heiligkeit”, buchstäblich unser Vater im Himmel. (Moses 6:57) Er hat einen Körper, Teile und Neigungen. Man kann sich ihm nähern, er weiß alles, und er kann wie sein geliebter Sohn mitfühlen mit unserer Schwäche. (Hebräer 4:15) Er hat eine zärtliche Hochachtung für seine Kinder und wünscht nichts mehr, als daß sie werden wie ER ist, nicht  allein durch unsere perönliche Anstrengung, sondern hauptsächlich durch Barmherzigkeit, Gnade und die erhöhende und verwandelnde Macht, die durch das Sühnopfer von Jesus Christus bewirkt wurde.

Diese Lehren sind in der Bibel nicht klar ausgelegt. Die Mormonen glauben, daß dies Wissen in der Zeit vor alters vorhanden war, und daß es durch neuzeitliche Propheten wiederhergestellt wurde. Neuzeitliche Propheten haben denjenigen, die sich ernsthaft bemühen, sich selbst und ihre Bestimmung zu erkennen, den Weg gewiesen: Das wahre Wissen um Gott verleiht auch den Männern und Frauen ein Verständnis für ihre persönliche, ewige Identität und ihre göttlichen Möglichkeiten. Joseph Smith sagt: „Wenn die Menschen den Charakter Gottes nicht verstehen, dann verstehen sie sich selbst auch nicht.”29