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Frage 4

Spricht Gott In Anderer Weise Zu Seinen Kindern Als Durch Die Bibel?

Wie schon gesagt, glaubt die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an die Bibel als an das Wort Gottes. Die Heiligen der Letzten Tage studieren die Bibel und versuchen, nach ihren Lehren ihr Leben zu gestalten. Sie glauben allerdings nicht, daß die Bibel all die Worte enthält, die Gott den Menschen seit Anbeginn der Zeit verkündete.

Joseph Smith liebte die Bibel. Er sann über einige Verse im Jakobusbrief nach, und er hatte das Gefühl, Gott im Gebet anzurufen. Die meisten seiner Ansprachen, Schriften und Briefe sind durchzogen von Zitaten oder Zusammenfassungen von biblischen Passagen und Lehren. Er bemerkte einmal, daß man „die Handschrift Gottes in der Heiligen Schrift sehen kann: und derjenige, der sie oft liest, der liebt sie am meisten.”5

Ist Sie Vollständig?

Joseph Smith glaubte indes nicht, daß die Bibel vollständig ist oder daß alle religiösen Schwierigkeiten gelöst werden könnten, wenn man das Alte oder Neue Testament zu Rate zieht. (Siehe Joseph Smith – History 1:12) Er glaubte auch nicht, daß die Bibel fehlerfrei oder unfehlbar ist. „Mehrere Offenbarungen, die empfangen wurden”, erklärte er, „zeigen, daß viele wichtige Punkte, die sich auf die Seligkeit des Menschen beziehen, aus der Bibel herausgenommen oder verlorengegangen waren, ehe sie zusammengestellt war.”6 In gleicher Weise verehren auch die Mitglieder der Kirche, die durch Joseph Smith wiederhergestellt wurde, die Bibel, aber sie glauben nicht, daß sie ohne Fehler ist oder alles enthält, was Gott seinen Kindern zu sagen hatte.

Der neunte Glaubensartikel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage lautet: „Wir glauben alles, was Gott geoffenbart hat, alles, was er jetzt offenbart, und wir glauben, daß er noch viele große und wichtige Dinge offenbaren wird in bezug auf das Reich Gottes.” Für die Heiligen der Letzten Tage bezieht sich das, was Gott offenbart hat auf die Bibel, das Buch Mormon, Lehre und Bündnisse und die Köstliche Perle. Was er jetzt offenbart, sind die jetzigen, fortlaufenden, inspirierten Instruktionen, die denjenigen gegeben werden, die berufen sind, die Kirche und das Königreich auf der Erde zu führen, jetzige Apostel und Propheten. (L&B 68:1-4) Was er noch offenbaren wird, schließt das mit ein, was  er in der Zukunft den dazu berufenen Autoritäten kund tut.

Andere Schriften?

Die Bibel ist eines der Bücher der Standard Werke der Heiligen der Letzten Tage, und somit sind die Lehren und Ausübungen der Heiligen der Letzten Tage im Einklang mit der Bibel. Bei besonderen Gelegenheiten erläutern die Offenbarungen der Heiligen der Letzten Tage die Bedeutung der biblischen Schriftstellen und stellen sie klarer da. Das Hinzufügen zum Kanon ist nicht das Gleiche wie die Ablehnung des Kanons. Ergänzung ist nicht das Gleiche wie Widerspruch. All die Propheten und der Heiland selbst brachten neues Licht und Wissen in die Welt. In vielen Fällen waren neue Schriften das Resultat ihrer Mission. Diese neuen Schriften erklärten nicht das als ungültig, was sich vorher ereignet hatte. Sie schlossen aber auch nicht die Tür für folgende Offenbarungen.

Der Glaube der Heiligen der Letzten Tage an neuzeitliche Offenbarungen zerstört nicht den Glauben an die Bibel. In gleicher Weise konnte auch Jesaja seine Prophezeihungen neben die Bücher von Moses stellen, und wie auch die Briefe von Petrus diejenigen Schriften von Paulus komplementieren, so könnte auch Joseph Smith seine Schriften neben die von Elias, Jeremia und Johannes  stellen. In jedem Fall würde der Glaube an vorangegangene Schriften nicht zerstört werden.

Der Glaube, daß das Buch Mormon auch das Wort Gottes enthält, vermindert nicht den Glauben der Heiligen der Letzten Tage an die Lehren, die in der Bibel enthalten sind. Die Heiligen der Letzten Tage glauben, daß beide Bücher in jeder möglichen Weise Hand in Hand gehen. Sie lesen Ezechiel 37:15-17 als eine biblische Offenbarung, die erklärt, daß beide Bücher in den letzten Tagen eins werden in den Händen der Gerechten. Die Worte des Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Heber J. Grant, illustriert so recht die Perspektive der Heiligen der Letzten Tage in bezug auf die Bibel:

„In meinem ganzen Leben habe ich zusätzliche Beweise gefunden, daß die Bibel das Buch der Bücher ist und daß das Buch Mormon der größte Zeuge für die Wahrheit der Bibel ist, das jemals veröffentlicht wurde.”7

Die Heiligen der Letzten Tage stimmen damit überein, daß der Kanon der Bibel abgeschlossen ist und keine neuen Bücher mehr hinzugefügt werden sollten. Das will nicht heißen, daß alle Schriften abgeschlossen sind oder daß Gott, der die Himmel öffnet und schließt, seinen Willen nicht offenbaren kann oder will.

Warum Mehr Heilige Schriften?

Außer der Bibel werden viele Offenbarungen benötigt. Einmal gibt es viele Tatsachen, die im Neuen Testament keine Erwähnung finden. Jesus belehrte zum Beispiel seine Apostel vierzig Tage lang nach seiner Auferstehung auf dem Berge der Verklärung. (Mathäus 17:1-13; Apostelgeschichte 1:1-3) Obwohl die Bibel nicht berichtet, was sich dort ereignete, geben uns die Offenbarungen der Heiligen der Letzten Tage zu verstehen, daß Christus bei diesen Begebenheiten seinen Aposteln wichtige Prinzipien lehrte, daß er ihnen die Vollmacht des Priestertums gab und sie erfüllte mit geistigen Gaben. Das Evangelium des Johannes berichtet, daß Jesus den Juden sagte, er habe außer ihnen noch andere Schafe und daß diese anderen ebenfalls seine Stimme hören würden. (Johannes 10:16) Das Buch Mormon berichtet, wie diese Werke von Jesus buchstäblich erfüllt wurden. (3 Nephi 15:11-24; 16:1-3)

Weiterhin geben die Offenbarungen der Heiligen der Letzten Tage uns Antworten auf viele praktische und dogmatische Fragen, die im biblischen Text auftauchen. Viele Gesichtspunkte in bezug auf die Natur Gottes, den Zweck des Lebens, Regeln für die Heirat und die Scheidung und die Möglichkeit für Buße und Erlösung nach dem Tode können der Bibel entnommen werden. Befriedigende  Antworten auf solche Fragen   werden nicht nur allein in der Bibel gefunden. Ohne weitere Offenbarungen bleiben Antworten auf solche Fragen, die in vielen Jahren immer wieder gestellt wurden, weitgehend unbefriedigend

Die Heiligen der Letzten Tage können auch sehen, daß die Geschichte die Berichte des Christentums nicht immer in einer liebenswürdigen Art betrachtete. Manche klaren und kostbaren Dinge sind verlorengegangen. Paulus schrieb zum Beispiel andere Briefe, die nicht mehr existieren, (1 Korinther 5:9; Epheser 3:3) und es wird weitgehend angenommen, daß Mathäus, Markus und Lukas zurückgegriffen haben auf verlorengegangene dokumentarische Quellen, als sie ihre Evangelien schrieben. Die Heiligen der Letzten Tage sind der Meinung, daß die verlorengegangenen Berichte von großem Wert für das Christentum sein würden. Diese Verluste können wenigstens teilweise den Problemen des Abfalls und der Spaltungen, wie sie im Neuen Testament berichtet werden, zugeschrieben werden. (Apostelgeschichte 20:29; 1 Korinther 11:18; 2 Thessoloniker 2:3) Die Heiligen der Letzten Tage glauben, daß wenigstens einige dieser Verluste durch das Wort Gottes kompensiert wurden, das in den Schriften in unserer Zeit hervorgebracht wurde.

Der Herr sagte im Buch Mormon zu den Menschen, die als Nephiten bezeichnet wurden:

„und weil meine Worte fortzischen, werden viele Nichtjuden sagen: eine Bibel! Eine Bibel! Wir haben eine Bibel, und es kann nicht noch eine andere Bibel geben.

Du Narr, der du sagen wirst: Eine Bibel, wir haben eine Bibel, und wir brauchen keine Bibel mehr. Habt ihr die Bibel denn nicht von den Juden empfangen?

Wißt ihr nicht, daß es mehr als ein Volk gibt? Wißt ihr nicht, daß ich, der Herr, euer Gott, alle Menschen erschaffen habe, und daß ich mich derer erinnere, die auf den Inseln des Meeres sind: und daß ich oben im Himmel und unten auf der Erde regiere und mein Wort unter den Menschenkindern hervorbringen werde, ja unter allen Völkern der Erde?

Warum murrt ihr, weil ihr mehr von meinem Wort erhalten sollt? Wißt ihr nicht, daß das Zeugnis zweier Völker euch ein Beweis ist, daß ich Gott bin, daß ich mich des einen Volkes sowohl wie des anderen erinnere? Daher rede ich zu einem Volke dieselben Worte, die ich zum anderen rede. Und wenn die beiden Völker zusammentreffen, dann wird das Zeugnis beider Nationen auch Hand in Hand gehen.

 Und das tue ich, damit ich vielen beweise, daß ich gestern, heute und immer derselbe bin, und daß ich meine Worte nach meinem eigenen Gutdünken spreche. Und ihr braucht nicht zu denken, weil ich ein Wort gesprochen habe, daß ich nicht noch eines reden könne, denn mein Werk ist noch nicht beendet; und es wird auch nicht enden, bis der Mensch ein Ende nimmt, noch von der Zeit an bis in Ewigkeit.” (2 Nephi 29:3,6,7-9)

Die Notwendigkeit fortgesetzter Offenbarung in unseren Tagen wurde von einem ehemaligen Präsidenten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, John Tayler, gelehrt:

„Wir benötigen einen lebenden Baum, eine frische Quelle, lebende Intelligenz, die ihren Ursprung im lebenden Priestertum des Himmels hat, das fortwirkt im Priestertum auf dieser Erde. Von der Zeit, als Adam die erste Offenbarung von Gott erhielt, bis zu der Zeit, als Johannes auf der Insel Patmos seine Offenbarung erhielt, oder bis Joseph Smith die Himmel geöffnet wurden,  immer waren neue Offenbarungen erforderlich, die den besonderen Umständen, in denen sich die Kirche oder individuelle Personen befanden, angepaßt waren. Adams Offenbarung  gab Noah nicht den Befehl, eine Arche zu bauen, und Noahs Offenbarung sagte Lot nicht, Sodom zu verlassen, auch sprachen diese nicht von dem Auszug der Kinder Israels aus Ägypten. All diese hatten ihre eigenen Offenbarungen, genau wie Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Jesus, Petrus, Paulus, Johannes und Joseph. Und so muß es auch mit uns sein, oder wir erleiden einen Schiffbruch.”8

Diejenigen, die sich auf Offenbarung 22:18-19 berufen als Beweis, daß es keine Offenbarungen außer der Bibel geben sollte, sollten bedenken, daß diese Verse sich nicht auf die Bibel selbst beziehen können, weil die Bibel, wie wir sie heute haben noch nicht zusammengestellt war, als Johannes der Offenbarer diese Worte schrieb. Johannes verkündete vielmehr das ewige Prinzip, daß kein Sterblicher, ohne inspiriert zu sein, etwas zu den Offenbarungen hinzufügen oder wegnehmen sollte. Solche Offenbarungen sollen akzeptiert und befolgt werden, wie sie gegeben wurden. Dies gleiche Prinzip wird auch in folgenden Schriftstellen gelehrt: (5 Mose 4:2,3; Nephi 11:40; und L&B 20:35). Gott liebt all seine Kinder und läßt sie nicht allein und ohne Führung.

 Außer den offiziellen, kanonischen Offenbarungen, die wir als Schriften kennen, glauben die Heiligen der Letzten Tage, daß Gott für jedes Individuum einen Weg bereitet hat, durch den es seinen Willen erfahren kann. Es gibt eine „Macht Gottes”, genannt „Das Licht Christi”. „Dieses Licht geht von der Gegenwart Gottes aus, um die Unendlichkeit des Raumes zu füllen”. (L&B 88:7,12,13) Diese Macht „gibt einem jeden Menschen Licht, der in die Welt kommt” und „sie leuchtet jedermann --- der ihrer Stimme gehorcht”. (L&B 84:46) Das Versprechen ist, daß jedermann, der auf die Eingebungen dieser Macht hört und sie befolgt, zu Gott geführt wird und möglicherweise zu der Fülle des Evangeliums von Jesus Christus. (L&B 84:47-48; Moroni 7:16-20) Diejenigen, die Buße tun und getauft werden, erhalten eine besondere Gabe, die Gabe des Heiligen Geistes. Diese Gabe kann persönliche Offenbarungen bringen und auch alle anderen Gaben des Geistes, von denen die Schrift spricht.