Glauben Die Heiligen Der Letzten Tage An Die Bibel Und An Das Biblische Christentum?
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage akzeptiert und verehrt die Bibel als das Wort Gottes. Die Heiligen der Letzten Tage schätzen die Berichte über das Leben und die irdische Mission von Jesus Christus sehr. Sie lesen die Bibel ständig, und das Alte und Neue Testament sind Teile der Standard Werke der wiederhergestellten „Kirche Jesu Christi.”
Die Heiligen der Letzten Tage glauben an die gleiche Religion, die vor 2000 Jahren in der von Christus gegründeten Kirche existierte, und sie bemühen sich, danach zu leben. Sie glauben, daß die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage die Wiederherstellung jener Kirche von Jesus Christus ist und daß der Heiland sie selbst wiederhergestellt hat. Sie glauben, daß das wiederhergestellte Evangelium all die Grundsätze lehrt, all die Tugenden fördert, teilnimmt an all den wichtigen Verordnungen und organisiert ist nach den Prinzipien, die Jesus und seine Apostel im Neuen Testament lehrten.
Warum glauben die Heiligen der Letzten Tage an die Bibel? Es gibt viele Antworten auf diese Frage. Sie ist der göttliche Zeuge für Jesus Christus, den Sohn Gottes. Sie enthält die Worte der Propheten, die über das Kommen und das Sühnopfer des Heilands berichteten. Sie enthält die Lehren, die Gesetze, die Verordnungen und Bündnisse, die Gott den Menschen in vielen Jahrhunderten gab. Die Mormonen glauben auch an die Bibel, weil das Buch Mormon und andere neuzeitliche Offenbarungen bestätigen, daß sie wahr ist. (Mormon 7:9; L&B 20:11)
AUSLEGUNGEN
Die Heiligen der Letzten Tage glauben, daß die Führung und Leitung des Heiligen Geistes zum Verständnis der Schriften notwendig ist. Diese Notwendigkeit bezieht sich sowohl auf die Bibel als auch auf das Buch Mormon und auf die neuzeitlichen Offenbarungen. Jede christliche Kirche, die an die Bibel glaubt, sei es die Katholische, die Protestantische, die Orthodoxe oder die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, interpretiert die Bibel unterschiedlich. Einige Kirchen stützen sich bei der Interpretation auf Tradition, andere auf Logik, Semantik, Philosophie, Theorie oder Geschichte. Mitglieder der wiederhergestellten Kirche glauben, daß Wahrheit in allen Religionen der Welt zu finden ist, aber sie glauben auch, daß Gott neuzeitliche Propheten berufen hat, begonnen mit Joseph Smith, und ihnen Offenbarungen gegeben hat, um sein Wort in der Bibel und anderen Heiligen Schriften besser zu verstehen. In der Auslegung der Bibel verlassen sich die Heiligen der Letzten Tage hauptsächlich auf den Heiligen Geist und den Geist der Prophetie und der Offenbarung.
Die Heiligen der Letzten Tage sind sich bewußt, daß die Bibel richtig übersetzt werden muß, um sie in unserer Zeit richtig zu verstehen, denn Jesus sprach weder Englisch, noch Elisabethanisch oder andere Sprachen, die heute in den meist gebrauchten Bibelübersetzungen zu finden sind. Diese Erkenntnis hindert aber die Heiligen der Letzten Tage nicht daran, an die Bibel zu glauben, denn göttliche Führung gibt ihnen Antwort auf wichtige Fragen. Die Joseph Smith Übersetzung der Bibel anerkennt und bestätigt nicht nur die meisten traditionellen Verse der King James Übersetzung, sondern sie gibt darüber hinaus Erklärungen und Nuancen der Bedeutung.
DER GEBRAUCH DER BIBEL
Es gibt Menschen, die gar nicht wissen, wie sehr der Glaube und das Leben der Mormonen von dem Geist der Bibel durchdrungen ist. Die Heiligen der Letzten Tage glauben zum Beispiel an die Göttlichkeit Christi, an das Wunder der Gnade, wie Paulus es lehrte (Epheser 2:8-10; 2 Nephi 25:23) , an die Notwendigkeit der Werke, wie Johannes sie lehrte (Johannes 2:19-20; Alma 9:28), an die Erhabenheit der Liebe, wovon Johannes Zeugnis ablegte (Johannes 1; 3:1-2; Moroni 7:45-48), an die Auferstehung der Toten durch den Heiland Jesus Christus (1 Korinther 15; Helaman 14-15-18) und an viele andere Lehren, die in der Bibel enthalten sind. Viele Sprachformen in den Glaubensartikeln der Heiligen der Letzten Tage sind den Worten des Apostel Paulus und anderen Texten des Neuen Testaments entnommen worden. Mehrere von Joseph Smith’s empfangenen Offenbarungen wurden angeregt durch den Wunsch, einige Passagen in der Bibel besser zu verstehen. Zum Beispiel: Nachdem Joseph Smith Johannes 5:29 gelesen hatte, fragte er den Herrn, was denn die Bedeutung von “Der Auferstehung der Verdammnis” sei und er erhielt die herrliche Offenbarung von den drei Graden der Herrlichkeit in der Welt, die noch kommt. (Siehe L&B 76)
Die Organisation der Heiligen der Letzten Tage folgt dem Modell, wie es im Neuen Testament zu finden ist. Die Kirche wird geleitet von „Aposteln und Propheten. Der Schlußstein ist Christus Jesus selbst.” (Epheser 2:20), einer Präsidentschaft von drei Personen (vergleiche Petrus, Jakobus und Johannes). Die Kirche hat auch andere Ämter, Älteste, Bischöfe, Lehrer, Diakone, Evangelisten und so weiter (Epheser 4:11; Philipper 1:1; 1 Thimotheus 5:17; Titus 1:7)
Viele Gebräuche der Heiligen der Letzten Tage sind ebenfalls in der Bibel zu finden. Sie vollziehen die Verordnung des Neuen Testaments, die Taufe der Gläubigen durch Untertauchen im Wasser (siehe Johannes 3:23; L&B 20:73-74), das Auflegen der Hände zur Verleihung des Heiligen Geistes (Apostelgeschichte 8:14-17; Moroni 2), das Sakrament des Abendmahls (1 Korinther 11:23-25; L&B 20:75-79) und das Auflegen der Hände zur Übertragung des Priestertums (1 Thimotheus 4:14; Moroni 3) und die deutlich erwähnte aber weitgehend mißverstandene Verordnung der Taufe für Personen, die schon gestorben sind (1 Korinther 15:29; L&B 127-28)
Weiterhin bezahlen die Heiligen der Letzten Tage den Zehnten (Maleachi 3:8; Mathäus 23:23;L&B 119), sie rufen die Ältesten, um die Kranken im Namen des Herrn mit Öl zu salben ( Jakobus 5:14; L&B 42:43-51), und sie fasten und beten oft (Mathäus 6: 17-18; Alma 6:6). Selbst die Vielehe (siehe L&B 132) und die Gütergemeinschaft, die zu einer Zeit in der Geschichte der Mormonen praktiziert wurden, waren von Gott eingesetzt. (L&B 42;51;83;104) Sie finden alle deutliche Parallelen in der Bibel ( 1 Moses 16:1-3; 5 Moses 21:15; Apostelgeschichte 2:44) In vieler Hinsicht, wie etwa durch die erwähnten Punkte, zeigen die Mormonen ihren Glauben an die Bibel, nicht nur in Worten und Gedanken, sondern auch in Taten und Handlungen.
Die Heiligen der Letzten Tage glauben an Gott den Ewigen Vater und an seinen Sohn Jesus Christus und an den Heiligen Geist. „Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes. Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.”. (Kolosser 1:12-14) Die Heiligen der Letzten Tage preisen „Gott, unseren Heiland, der will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn: Einer ist Gott, einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle.” (1 Timotheus 2:3-6) Sie begrüßen die ganze Welt in der Hoffnung, daß „die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft der Heiligen Geister mit euch allen sei.” (2 Korinther 13:12) Solche biblischen Bekenntnisse werden von den Heiligen der Letzten Tage voll angenommen.
DIE GLAUBENSBEKENNTNISSE
Die Heiligen der Letzten Tage glauben aber, daß die Glaubensbekenntnisse der späteren christlichen Konzilien sich nicht genau an die biblischen Lehren Gottes hielten. Die Mitglieder der wiederhergestellten Kirche Christi glauben nicht, daß diese Konzilien die Autorität besitzen, bindende Formelierungen der Lehre Gottes zu verfassen. Die Heiligen der Letzten Tage glauben darüber hinaus, daß die verschiedenen Glaubensbekenntnisse nicht gleich sind. Ein jedes weicht mit der Zeit mehr und mehr von der biblischen Lehre ab. Die früheste Form des altrömischen Glaubensbekenntnisses aus dem zweiten Jahrhundert ist relativ einfach und entspricht weitgehend der Bibel. Spätere Formen dagegen entfernen sich Schritt für Schritt von der Bibel. Das Caesaräische Glaubensbekenntnis (das späte dritte Jahrhundert) und die erhaltene Form des Apostolischen Glaubensbekenntnisses preisen Gott den Vater anstatt Jesus Christus, wie es in der Bibel gelehrt wird (Johannes 1:3; Epheser 3:9; Hebräer 1:2) als „den Schöpfer des Alls”, als „den Schöpfer von Himmel und Erde”. Auf dem Konzil zu Nizäa (Nizänische Glaubensbekenntnis- vierte Jahrhundert) diskutierte man über das Verhältnis zwischen Christus und Gott. Dadurch wurden nichtbiblische Ausdrücke wie Wesensähn- lichkeit und Wesensgleichheit in die Bekenntnisformeln hineingefügt. Schließlich wurden in dem sogenannten Athanasianischen Glaubensbekenntnis Begriffe wie „daß wir einen Gott in der Dreiheit und die Dreiheit in der Einheit verehren”,geprägt, und es wurde betont, „daß man in dieser Art der Trinität denken müßte”4, um selig zu werden. Die Heiligen der Letzten Tage finden gewisse Aspekte dieser Bekenntnisformel nicht der Bibel entsprechend und zwingen dadurch dem Geist Begrenzungen auf. Sie bevorzugen die Zeugnisse, die in der Bibel und in den neuzeitlichen Offenbarungen zu finden sind und nicht, wie die Konzile und Synoden sie verfaßt haben, so klug sie auch gewesen sein mögen.