Sind Die Heiligen Der Letzten Tage Christen?
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat Jesus von Nazareth angenommen, wie es in der Bibel berichtet wird, als den Erlöser und den Sohn Gottes, der für die Sünden der ganzen Welt sühnte und dadurch unsere weltumfassende Auferstehung sicherstellte. Die Kirche hat nie aufgehört zu bezeugen, „daß kein anderer Name unter dem Himmel gegeben ist, durch den wir gerettet werden sollen.” (Apostelgeschichte 4:12) Ein anderes Buch, das Buch Mormon, erklärt auf der Titelseite, daß es geschrieben wurde, um „die Juden und die Nichtjuden zu überzeugen, daß Jesus der Christ und der Ewige Gott ist, der sich allen Völkern offenbart.”
Die Heiligen der Letzten Tage glauben, daß Joseph Smith der Prophet ist, durch den Gott die Kirche von Jesus Christus wiederherstellte und sie “Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage” nannte. Er erklärte: „Die fundamentalen Prinzipien unserer Religion sind die Zeugnisse der Apostel und Propheten über Jesus Christus, daß ER starb, begraben wurde und am dritten Tage wieder auferstand und zum Himmel emporgehoben wurde. Alle anderen Dinge unserer Religion sind nur Zusätze.”1 Mitglieder der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi freuen sich in Dankbarkeit über das Sühnopfer Christi, sehen gläubig seiner glorreichen Wiederkehr entgegen, sie erwarten die Stunde, vor ihn gebracht zu werden, wenn er die ganze Menschheit richtet, und sie hoffen, bis in alle Ewigkeit bei ihm zu wohnen. Sicherlich können all diejenigen beanspruchen, Christen genannt zu werden, die einen solchen Glauben besitzen.
Es gibt sicherlich dogmatische Unterschiede zwischen den Mormonen und verschiedenen anderen Religionsgemeinschaften. Die Heiligen der Letzten Tage aber glauben, daß es möglich sein muß, Christen zu sein, wenngleich sie verschiedene Einstellungen haben. Betrachtet man die große Anzahl von christlichen Gemeinschaften, dann ist es augenscheinlich, daß sie in vielen Punkten – groß oder klein - nicht immer übereinstimmen. Diese Schlußfolgerung ist nicht zu vermeiden. Die Heiligen der Letzten Tage umarmen alle gläubigen Christen, die sich zu Jesus Christus bekennen. In gleicher Weise glauben sie, daß kein dogmatischer Unterschied oder keine Variationen in der Ausübung dogmatischer Fragen so groß sein können, daß sie ihren aufrichtigen Glauben an und ihre Hingabe zu Jesus Christus als Herr und Erlöser auslöschen.
DEFINITIONEN
Der Glaube der Heiligen der Letzten Tage fällt unter den Begriff Christen, wie die Bibel es ausdrückt. Der Begriff Christen ist nur dreimal im Neuen Testament zu finden (Apostelgeschichte 11:26; 26:28; und Petrus 4:16) In jedem Falle bezieht sich dieser Ausdruck auf diejenigen, die Christus folgen. Diese Bedeutung hat der Begriff – Christen – auch bei den Heiligen der Letzten Tage.
Für die Mitglieder der wiederhergestellten Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind keine anderen Definitionen des Christentums überzeugend, wie etwa Definitionen, die als Grundlage für Interpretationen der Bibel den klassischen Glaubensbekenntnissen aus den frühen christlichen Jahrhunderten entnommen sind. Die Heiligen der Letzten Tage glauben auf Grund dieser Definitionen, daß keiner befugt ist, anderen das Recht abzusprechen, Christen genannt zu werden. C.S.Lewis bemerkt dazu:
„Es steht uns nicht zu zu sagen, wer im wahrsten Sinne des Wortes dem Geist Christi nahe ist oder nicht. Wir blicken nicht in das Herz des Menschen. Wir können nicht urteilen , und es ist uns in der Tat verboten zu urteilen. Es wäre eine bösartige Arroganz zu urteilen, ob ein Mensch ein Christ in diesem verfeinerten Sinne ist oder nicht. Wenn ein Mensch die christliche Lehre annimmt und unwürdig danach lebt, dann ist es viel leichter, ihn als einen schlechten Christen zu bezeichnen, als zu sagen, er ist kein Christ.”2
Es folgert, daß irgendeine solche Definition, die die Mormonen ausschließt, auch andere Gruppen ausstoßen würde. Und es würde vielen Menschen schwerfallen, sie als Nichtchristen zu bezeichnen.Wenn man zum Beispiel verlangt, daß diejenigen, die an Christus glauben, die Dreieinigkeitslehre des Nizäischen Glaubensbekenntnisses annehmen müßten, um als Christen bezeichnet zu werden, dann würde das auch bedeuten, daß die Bischöfe, die gegen das Nizäische Glaubensbekenntnis stimmten, keine wahren Christen waren. Es stellt außerdem den christlichen Glauben der vielen Nachfolger Christi in Frage, die vor der Zeit von Nizäa lebten und somit vor der vollen Entwicklung der klassischen Dreieinigkeitslehre.
Die Heiligen der Letzten Tage zerbrechen sich auch den Kopf über die Erklärung, daß nur diejenigen Menschen Christen sind, deren Glaube und dessen praktische Ausübung einzig und allein auf den sechsundsechzig Büchern des traditionellen Protestantischen Biblischen Kanons beruht. Die kanonische Liste wurde erst einige Jahrhunderte nach dem Tode Christi abgeschlossen und wird bis heute nicht weltweit akzeptiert. Diese Definition würde nicht nur die Heiligen der Letzten Tage ausschließen, sondern auch viele Nachfolger Christi aus den ersten Jahrhunderten, etwa zweihundert Millionen der östlichen Orthodoxen Christen, und auch die Römisch Katholischen, deren Glaube auf der Autorität der apostolischen Tradition beruht.
Man bedenke fernerhin den Anspruch, die Mormonen könnten nicht als Christen betrachtet werden, weil sie daran glauben, daß die Erlösung eng verbunden sein muß mit der Vollmacht einer Kirche. Diese Forderung schließt auch viele der großen, frühen Kirchenväter aus dem Christentum aus. Von der Kirche Roms und fast der Gesamtheit des östlichen Christentums soll garnicht gesprochen werden.
In anderen Worten, die Definition des Christentums, die auf einem spezifischen Glauben einer Konfession oder einer Gruppe von Konfessionen beruht, ist keine große Hilfe. Sie berufen sich oft nicht auf die vollen Quellen christlicher Geschichte, und sie sind durchaus keine Hilfe, um zu entscheiden, wer ein Christ ist oder nicht.
DER HISTORISCHE GEBRAUCH
Es ist eine historische Tatsache, daß Jahrhunderte lang das Wort Christen gebraucht wurde, einen weiten Rahmen von praktischen Ausübungen und theologischen Standpunkten zu beschreiben. Dazu gehören einige, die von den Heiligen der Letzten Tage als auch von ihren protestantischen Kritikern als völlig falsch betrachtet werden.. Die Marcioniten zum Beispiel lehnten die Evangelien von Mathäus, Markus und Johannes ab. Die Docetisten verneinten, daß Christus einen echten sterblichen Körper besaß, und doch werden diese Gruppen und viele andere gewohnheitsmäßig von Wissenschaftlern, die sich am meisten mit ihnen befaßt haben, als Christen bezeichnet.
Christliche Lehren und ihre praktischen Ausübungen können mehr oder weniger unzulänglich sein, sogar ernstlich falsch, und doch bleiben sie christlich, genau wie konkurrierende Theorien des Solarsystems unterschiedlich sein können und doch beanspruchen, wissenschaftliche Theorien zu sein. Die einzige Definition des Wortes Christen, die ihren Gebrauch durch die Jahrhunderte rechtfertigt und alle Individuen und Gruppen umfaßt, die weltweit unter die Definition fallen, ist grob ausgedrückt die folgende: Ein Christ ist eine Person, die Jesus Christus, einzig in seiner Art, als Herr und Heiland anerkennt. Durch diese Definition qualifizieren vollauf als Christen die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und Hunderte von Millionen anderer Gläubiger aus vielen Glaubensrichtungen, die Jesus von Nazareth in Tausenden von Jahren auf jedem Kontinent angenommen haben.