Propheten wurden in vergangenen Zeiten gewöhnlich durch Offenbarung oder Visionen berufen: “Wenn es bei euch einen Propheten gibt, so gebe ich mich ihm in Visionen zu erkennen und rede mit ihm im Traum” (Num 12:6). Der Prophet Joel sah voraus, daß in den Letzten Tagen die Visionen zunehmen würden: “Eure Alten werden Träume haben, und eure jungen Männer haben Visionen” (Joel 3:1).
Der Prophet Joseph SMITH <Smith, Joseph> empfing seine erste Vision im Alter von vierzehn Jahren, als er in einem Wald im Westen des Bundesstaates New York betete (siehe ERSTE VISION). Der Herr erschien ihm umstrahlt von hellem Licht vom Himmel wie einst dem Apostel Paulus <Paulus, Apostel> (Apg. 9:3), sprach mit Joseph Smith von Angesicht zu Angesicht und berief ihn, ihm zu dienen. Das war die erste vieler Visionen, die Joseph Smith hatte, manche auch gemeinsam mit anderen Personen. Der Prophet Joseph Smith war begnadet wie Johannes auf der Insel Patmos und wie Paulus, die beide vom “dritten Himmel” sprachen. Er sagte einmal: “Könntet ihr nur fünf Minuten lang in den Himmel blicken - ihr würdet mehr wissen, als wenn ihr alles, was je darüber geschrieben wurde, gelesen hättet.” (LPJS, S. 331; HC 6:50.) Er sagte auch: “Die beste Möglichkeit, Wahrheit und Weisheit zu erlangen, besteht nicht darin, sie aus Büchern zu erfragen, sondern sich im Gebet an Gott zu wenden und göttliche Belehrung zu erhalten” (LPJS, S. 195).
Präsident John TAYLOR <Taylor, John> schrieb, daß Joseph Smith mit jedem Propheten aus jeder Evangeliumszeit Kontakt gehabt hat:
Weil er [Joseph Smith] an der Spitze der Evangeliumszeit der Fülle stand, die alle vohergehenden Evangeliumszeiten der Erde umfaßt, und weil die Götter in den ewigen Welten und das Priestertum, das in Zeit und Ewigkeit amtiert, verkündet hatten, daß die Zeit zur Ausschüttung all dieser Dinge gekommen sei, vereinten sie sich, um ihm die Schlüssel ihrer verschiedenen Missionen zu übergeben (JD 18:36).
In jeder neuen Evangeliumszeit müssen den Dienern Gottes das Priestertum und die Schlüssel des Priestertums übertragen werden und zwar in Übereinstimmung mit dem Gesetz der Zeugen: “Durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen wird jede Sache entschieden” (2. Kor. 13:1). Im Laufe der Wiederherstellung waren stets ein oder zwei Zeugen zugegen, wenn Engelsboten dem Propheten Joseph Smith das Priestertum und die Schlüssel des Priestertums übertrugen. Oliver COWDERY <Cowdery, Oliver> war so ein wichtiger Zeuge, ebenso David WHITMER <Whitmer, David>, Martin HARRIS <Harris, Martin> und Sidney RIGDON <Rigdon, Sidney>. Joseph Smith hat den Unterschied zwischen Traum und Vision und wie beide zusammenhängen folgendermaßen erläutert: “Eine offene Vision gibt das kund, was von größerer Bedeutung ist” (LPJS, S. 164). Solche bedeutenden Visionen, die der Prophet Joseph Smith empfing, bilden die Grundlage vieler fundamentaler Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
DIE ERSTE VISION. Lucy Mack SMITH <Smith, Lucy Mack> erinnerte sich: Als die Familie Smith 1820 auf ihrer Farm in Manchester im Bundesstaat New York arbeitete, “kam es zu einer großen religiösen Erweckungsbewegung, die sich auf alle christlichen Glaubensgemeinschaften in der Umgegend ausdehnte.” Lucy Smith und drei ihrer Kinder schlossen sich den Presbyterianern an, aber ihr Sohn Joseph schloß sich keiner Kirche an. Später schrieb er: “Es war nicht möglich, mit Sicherheit zu entscheiden, wer nun recht und wer unrecht hatte”(JSLg 8). Als Reaktion auf die biblische Verheißung: “Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, so erbitte er sie von Gott” (Jak 1:5), zog sich Joseph Smith in einen Wald zurück und betete zum ersten Mal “laut”. Sein gläubiges Gebet wurde erhört. Joseph Smith berichtet: “Ich sah zwei Gestalten von unbeschreiblicher Helle und Herrlichkeit über mir in der Luft stehen. Eine von ihnen redete mich an, nannte mich beim Namen und sagte, dabei auf die andere deutend: Dies ist mein geliebter Sohn. Ihn höre!” (JSLg 17). Auf seine Frage, welcher Kirche er sich anschließen solle, sagte ihm der Herr, er dürfe sich keiner anschließen, sondern er solle so verbleiben, wie er war, bis ihm “weitere Weisung zuteil werden würde”(JSLg 17–19, 26). Als Joseph Smith den Wald verließ, wußte er, daß Gott Vater und der Sohn tatsächlich existieren, daß die Gottheit aus zwei verschiedenen Personen besteht und daß Gott Gebete erhört. Er wußte auch, daß er sich keiner der damals bestehenden Glaubensgemeinschaften anschließen durfte (Backman, 1971, S. 206–208). Dieser Vision folgten eine Reihe von Engelsbesuchen. Die himmlischen Boten leisteten ihm dabei Beistand, im Laufe der darauffolgenden Jahre das Evangelium Jesu Christi wiederherzustellen.
BESUCHE DES ENGELS MORONI. Der Prophet Joseph Smith ging bis zum 21. September 1823 seinen täglichen Aufgaben nach. Während dieser Zeit hatte er “von Leuten aller Klassen ... schwere Verfolgung zu leiden,” teilweise weil er darauf beharrte, eine Vision gehabt zu haben (JSLg 27). Als er an jenem Abend Gott bat, ihn wissen zu lassen, wie es um ihn stünde, erschien ein Engel an seinem Bett, der ihm sagte, er sei aus der Gegenwart Gottes gesandt worden und heiße Moroni. Er fuhr fort, “Gott habe eine Arbeit für ihn [Joseph]; sein Name werde bei allen Nationen, Geschlechtern und Sprachen für gut oder böse gelten”(JSLg 33). Er erzählte Joseph Smith von einem Bericht, der auf goldenen Platten geschrieben sei und von den früheren Bewohnern des amerikanischen Erdteils handle. Dieser Bericht enthalte die Fülle des immerwährenden Evangeliums, wie es der Erretter den früheren Bewohnern Amerikas einst verkündet habe. In einer Vision sah Joseph Smith auch einen in der Nähe seines Hauses liegenden Hügel und die Stelle, an der die Platten mit diesem Bericht aufbewahrt waren.
Am darauffolgenden Tag ging Joseph Smith zu dem Hügel, der später als Hügel Cumorah <Cumorah, Hügel> bekannt wurde, entfernte eine Steinplatte und sah den Inhalt eines unter der Steinplatte liegenden Behälters, nämlich die goldenen Platten, den Urim und Tummin <Urim und Tummim> und einen Brustschild. Der Engel erschien und sagte ihm, die Zeit sei noch nicht gekommen, die Platten an sich zu nehmen, aber er solle in den nächsten vier Jahren zur gleichen Zeit und an die gleiche Stelle wiederkommen, um weitere Anweisungen zu empfangen (JSLg 53). In einer weiteren Vision, sah Joseph Smith den “Fürsten der Finsternis umgeben von unzähligen Anhängern.” Der himmlische Bote sagte ihm: “Dies alles ist dir gezeigt worden: Gut und Böse, Heiliges und Unreines, die Herrlichkeit Gottes und die Macht der Finsternis, damit du künftig beide Mächte kennst und nie von jenem Bösen beeinflußt oder überwunden wirst.” (Messenger and Advocate 2:198.)
Zwischen 1824 und 1827 kehrte Joseph Smith wie befohlen jedes Jahr zum Hügel zurück. Am 22. September 1827 erschien ihm der Engel wiederum und erteilte ihm die letzten Anweisungen betreffs des Berichts. Moroni <Moroni übergibt Joseph Smith die Platten> übergab ihm dann die Platten zur Übersetzung. Joseph Smith berichtete: “Derselbe Himmelsbote übergab sie [die Platten] mir mit der folgenden Ermahnung: Ich solle für sie verantwortlich sein; wenn sie mir aus Unbedacht oder durch irgendeine Nachlässigkeit meinerseits abhanden kommen sollten, würde ich ausgetilgt werden; wenn ich aber alle meine Kräfte dafür einsetzen wolle, sie zu bewahren, bis er, der Bote, sie wieder abholte, würden sie geschützt sein” (JSLg 59). Der himmlische Bote gab Joseph Smith nicht allein bei diesen jährlichen Besuchen Anweisungen, sondern traf mit ihm auch sonst wiederholt zusammen (Peterson, S. 119–120). Insgesamt besuchte der Engel Moroni Joseph Smith mindestens zwanzigmal. (Siehe MORONI, BESUCHE DES ENGELS MORONI.) Der Prophet berichtete seinen Mitarbeitern, daß ihm auch andere Propheten des Buches Mormon erschienen seien, unter anderem Nephi <Nephi erscheint Joseph Smith>, der Sohn Lehis (Cheesman, S. 38–60). Lucy Mack Smith erinnerte sich, daß ihr Sohn Joseph aufgrund dieser Belehrungen “ganz leicht” die alten Bewohner Amerikas beschreiben konnte, “ihre Kleidung, ihre Art zu reisen, die Tiere, auf denen sie ritten, ihre Städte, ihre Gebäude in allen Einzelheiten, die Art ihrer Kriegsführung und ihre Religion” (S. 83).
JOHANNES DER TÄUFER. Bei den Übersetzungsarbeiten am Buch Mormon stellten sich Joseph Smith und Oliver COWDERY <Cowdery, Oliver> verschiedene Fragen wegen der Taufe zur Sündenvergebung, wie sie im 3. Nephi Vers 11 beschrieben wird. Am 15. Mai 1829 begaben sich beide nach Harmony, Pennsylvanien, in einen Wald und beteten um Erleuchtung. Beide berichteten, daß ein himmlischer Bote, der sich Johannes der Täufer <Johannes der Täufer ordiniert Joseph Smith und Oliver Cowdery> nannte, ihnen die Hände aufs Haupt legte, ihnen das Aaronische Priestertum übertrug und dabei sagte: “Euch, meinen Mitknechten, übertrage ich im Namen des Messias das Priestertum Aarons, das die Schlüssel des Dienstes von Engeln und die des Evangeliums der Umkehr und die der Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung innehat; und es wird nicht mehr von der Erde genommen werden, bis die Söhne Levi dem Herrn wieder ein Opfer darbringen in Rechtschaffenheit.”(JSLg 69; LuB 13; siehe auch LPJS, S. 175–176.)
PETRUS, JAKOBUS UND JOHANNES. Johannes der Täufer erklärte Joseph Smith und Oliver Cowdery auch, “dieses Aaronische Priestertum habe nicht die Macht, zur Gabe des Heiligen Geistes die Hände aufzulegen, aber diese Macht werde uns später noch übertragen werden.” Johannes fügte hinzu, “daß er auf Anweisung von Petrus, Jakobus und Johannes wirke; diese hätten die Schlüssel des Priestertums des Melchisedek inne, und dieses Priestertum, so sagte er, werde uns zur bestimmten Zeit übertragen” (JSLg 70, 72). Dieses Priestertum wurde Ende Mai oder Anfang Juni wiederhergestellt und zwar irgendwo zwischen den
Ortschaften Harmony und Colesville am Susquehannafluß. Später legte Joseph Smith von diesem Ereignis Zeugnis ab: “Das Priestertum ist immerwährend. Der Erretter, Mose und Elija übertrugen Petrus, Jakobus und Johannes die Schlüssel dieses Priestertums auf dem Berg, als sie vor ihm verklärt wurden. ... Wie haben wir das Priestertum in diesen Letzten Tagen empfangen? Wir empfingen es in geregelter Abfolge. Petrus, Jakobus und Johannes <Petrus, Jakobus und Johannes übertragen das Melchisedekische Priestertum> hatten es bereits empfangen, und sie übertrugen es uns” (WJS, S. 9).
DAS ZEUGNIS DER DREI ZEUGEN DES BUCHES MORMON. Durch Offenbarung wurden Oliver Cowdery <Cowdery, Oliver, Zeuge für das Buch Mormon>, David Whitmer <Whitmer, David, Zeuge für das Buch Mormon> und Martin Harris <Harris, Martin, Zeuge für das Buch Mormon> auserwählt, Zeugnis der Platten und von der unverfälschten Übersetzung des Buches Mormon abzulegen. (2. Ne 11:3; 27:12; Ether 5:2–4; LuB 5:11–18; LuB 17.) Gegen Ende Juni 1829 gingen die drei Männer in den Wald in der Nähe des Whitmer-Hauses in Fayette, New York, und knieten im Gebet nieder. Als die verheißene Offenbarung nicht gleich kam, sagte Martin Harris, daß er vielleicht die Ursache für das Nichterscheinen des Engels sei. Als Martin Harris sich entfernt hatte, knieten die anderen sich wieder im Gebet nieder. David Whitmer beschreibt das Erscheinen Moronis wie folgt:
Der Engel stand vor uns. Er war weiß gekleidet, sprach, nannte mich beim
Namen und sagte “Gesegnet ist, wer Gottes Gebote hält...” Vor uns stand ein
Tisch und darauf lag der Bericht der Nephiten, von dem das Buch Mormon
übersetzt worden war, der Brustschild (und auch der Urim und Tummim),
die Kugel mit den Richtungsweisern (der Liahona), das Schwert Labans und noch andere Platten. Während wir sie betrachteten, erklang die Stimme Gottes vom Himmel und verkündete, daß das Buch Mormon wahr sei und seine Übersetzung richtig. [Zitat aus “Brief von Elder W.H. Kelley,”Saints’ Herald 29, 1. März 1882, S. 68.]
Danach begab sich Joseph Smith auf die Suche nach Martin Harris und zusammen erlebten sie nochmals die gleiche Kundgebung. Die drei Zeugen unterschrieben später eine Erklärung, in der sie ihr Erlebnis beschrieben hatten. Dieses Zeugnis ist Teil der Einleitung jedes Exemplars des Buches Mormons. Die Zeugen verkünden “feierlich und ausdrücklich,” daß sie den Engel und die Platten gesehen haben und bezeugen sodann: “Wir wissen auch, daß sie durch die Gabe und Macht Gottes übertragen worden sind, denn seine Stimme hat uns dies verkündet.” Später hatten acht weitere Männer das Vorrecht, die Platten zu betrachten und sie in die Hand zu nehmen. Sie sahen jedoch den Engel nicht und hörten auch nicht die Stimme Gottes.
VISIONEN DER REICHE. In der Zeit, als Joseph Smith an seiner Bibelübersetzung arbeitete, zog er mit Sidney RIGDON <Rigdon, Sidney> am 12. September 1831 in das Haus von John Johnson <Johnson, John> in Hiram im Bundesstaat Ohio. Während beide am Johannesevangelium arbeiteten, wurde ihnen bewußt, daß viele wichtige Einzelheiten über die Errettung des Menschen aus der Bibel verlorengegangen waren. Joseph Smith schreibt: “Aufgrund der Wahrheiten, die noch vorhanden waren, erschien uns folgendes offenkundig: Wenn Gott jedermann nach seinen Taten auf der Erde beurteilt, dann muß der Begriff ‘Himmel’ als künftiges ewiges Heim der Heiligen aus mehr als nur einem einzigen Reich bestehen”(HC 1:245). Am 16. Februar 1832, während Joseph Smith und Sidney Rigdon in einem Zimmer des Obergeschosses im Johnson-Haus über die Schriftstelle Johannes 5:29 nachdachten, empfingen sie eine mehrteilige Vision (LuB 76). Zuerst erblickten sie Gott Vater und seinen Sohn in der höchsten Herrlichkeit. Dem folgte eine Reihe von Visionen, einschließlich eine Vision vom Satan und den Söhnen des Verderbens; dem folgte eine Vision vom telestialen, terrestrialen und celestialen Reich der Herrlichkeit. Philo Dibble <Dibble, Philo>, der ebenfalls im Zimmer anwesend war, berichtet, daß die beiden Männer eine Stunde lang bewegungslos dasaßen. Der eine sagte: “Ich sehe...” und beschrieb, was er sah, worauf der andere sagte: “Das sehe ich auch.” (Juvenile Instructor 27, 15. Mai 1892, S. 303–304.)
Offensichtlich hat Joseph Smith nicht alles kundgetan, was er in diesen Visionen gesehen hat, denn er sagte später einmal: “Wäre es mir erlaubt und wären die Menschen dafür bereit, so könnte ich über die Reiche der Herrlichkeit, die mir in dieser Vision gezeigt wurden, hundertmal mehr Aufschluß geben, als ich es bisher getan habe” (LPJS, S. 310).
VISIONEN IM KIRTLAND-TEMPEL. Vom 21. Januar bis zum 1. Mai 1836 erlebten viele Heilige der Letzten Tage in Kirtland ein Ausgießen des Geistes, ein “Pfingsterlebnis.” Am 21. Januar versammelten sich der Prophet mit anderen Männern im westlichen Klassenraum im zweiten Stock des Kirtland-Tempels. Hier sah Joseph Smith in einer Vision das celestiale Reich Gottes (LuB 137). Er sah Gott Vater und Gott Sohn, mehrere Persönlichkeiten aus dem Alten Testament wie z.B. Adam und Abraham, seine eigenen Eltern (die beide noch lebten) sowie seinen Bruder Alvin <Smith, Alvin>, der 1823 gestorben war (Vers 5). Als Joseph Smith sich darüber wunderte, daß sein Bruder Alvin im celestialen Reich war, sprach eine Stimme vom Himmel: “Alle, die gestorben sind, ohne vom Evangelium zu wissen, es aber angenommen hätten, wenn sie hätten verweilen dürfen, werden Erben des celestialen Reiches Gottes sein” (Vers 7). Er erfuhr auch vom Schicksal kleiner Kinder und schreibt: “Und ich sah auch, daß alle Kinder, die sterben, ehe sie das Alter der Verantwortlichkeit erreicht haben, im celestialen Reich des Himmels errettet sind” (Vers 10).
Bei der Weihung des Kirtland-Tempels am 27. März 1836 bezeugten viele die Anwesenheit von Engeln. Der Prophet erwähnte besonders die Anwesenheit der früheren Apostel Petrus und Johannes. (Backman, The Heavens Resound, 1983, S. 299–300; siehe auch JD 9:376.)
Eine Woche darauf, am 3. April 1836, hatten sich Joseph Smith und Oliver Cowdery auf die “Kanzel des Melchisedekischen Priestertums” an der Westseite des Erdgeschosses zurückgezogen. Der Vorhang wurde heruntergelassen, und beide Männer neigten sich zum Gebet. “Von unserem Sinn wurde der Schleier weggenommen, und die Augen unseres Verständnisses öffneten sich” (LuB 110:1). Der Herr stand vor ihnen auf der Brustwehr der Kanzel. “Seine Augen waren wie eine Feuerflamme, sein Haupthaar war weiß wie reiner Schnee, sein Antlitz leuchtete heller als der Glanz der Sonne, und seine Stimme tönte wie das Rauschen großer Gewässer, ja, die Stimme Jehovas, die sprach”(LuB 110:3). Der Herr nahm das neu errichtete Gebäude an und verhieß, daß sein Name und seine Herrlichkeit kundgetan würde und daß über Tausende Segnungen ausgegossen würden, wegen des Tempel und der Begabungen, die seine Diener in diesem Haus empfangen würden (LuB 110:6–9).
Nach dem Erscheinen des Erretters kamen drei weitere Boten. Jeder übertrug den beiden Führern besondere Priestertumsschlüssel. Mose <Mose überträgt Schlüssel> “übertrug [ihnen] die Schlüssel zur Sammlung Israels”(Vers 11). Danach erschien Elias <Elias überträgt Schlüssel zur Sammlung Israels>, der die Evangeliumsschlüssel Abrahams innehatte und übertrug die Schlüssel für diese Evangeliumszeit, indem er sagte, “in uns und unseren Nachkommen werden alle Generationen nach uns gesegnet werden”(Vers 12). Elija <Elija erscheint im Kirtland-Tempel> stellte weitere Priestertumschlüssel wieder her und sagte: “Siehe, die Zeit ist völlig da, von der Maleachi gesprochen hat - indem er bezeugte, daß er [Elija] gesandt werden würde, ... um das Herz der Väter den Kindern und die Kinder den Vätern zuzuwenden” (14,15).
WEITERE KUNDGEBUNGEN VOM HIMMEL. Aus zahlreichen Berichten ist zu erfahren, daß auch andere Personen Zeugen derartiger Erscheinungen waren, und zwar nicht nur im Kirtland-Tempel <Kirtland-Tempel> sondern auch schon vorher, z.B. während der Versammlungen im Schulhaus auf der Farm von Isaac Morley <Morley, Isaac> und in der SCHULE DER PROPHETEN in Newel K. WHITNEYS <Whitney, Newel K.> Laden. (K. Anderson, S. 107–113, 169–177; Backman, The Heavens Resound, 1983, S. 240, 264–268, 284–309.)
Die nun im folgenden angeführten Visionen sind nur wenige der zahlreichen himmlischen Kundgebungen, durch die dem Propheten Anweisungen erteilt wurden. Joseph Smith berichtet, daß er auch andere Männer in Visionen gesehen habe, unter anderm Michael <Michael erscheint Joseph Smith>, Gabriel <Gabriel erscheint Joseph Smith> und Rafael <Rafael erscheint Joseph Smith>, aber er geht nicht weiter auf Einzelheiten ein (LuB 128:20–21). Präsident John Taylor <Taylor, John> nannte in diesem Zusammenhang unter anderem auch Adam <Adam>, Set <Set>, Henoch<$Henoch>, Noach <Noach>, Abraham <Abraham>, Isaak <Isaak und Jakob <Jakob>, die dem Propheten geistlich gedient hätten. (JD 17:374; 18:325–326; 21:65, 94, 161; 24:48.)
Ein Schreiber des Propheten Joseph Smith berichtete: “Er hatte Visionen über vergangene und zukünftige Zeiten. Als Seher kannte er Ereignisse aus vergangenen Zeiten, die nicht in unseren heiligen Schriften zu finden sind, die er jedoch in Gesprächen erwähnte” (Madsen, S. 44). “Ich sah Adam im Tal von Adam-ondi-Ahman <Adam-ondi-Ahman>“ (LPJS, S. 161). Der Prophet Joseph Smith erzählte Joseph Knight sen. <Knight, Joseph sen.>, wie ihm durch den Urim und Tummim <Urim und Tummim>, den er zusammen mit den goldenen Platten gefunden hatte, Erkenntnis vermittelt worden war. Joseph Knight erklärte: “Er schien von der ‘Seherbrille’ oder dem Urim und Tummin viel zu halten ... Er sagte: ‘Ich kann alles sehen; sie sind wunderbar.’” (Jessee, 1976, S. 33.) Nachdem Joseph Smith das von einem gewissen Foxe <Foxe, Verfasser des Book of the Martyrs> verfaßte Book of the Martyrs [Buch der Märtyrer] gelesen hatte, sagte er, daß er “diese Märtyrer gesehen hatte und daß sie nach dem Licht [zu urteilen], das sie besaßen, ehrliche, gläubige Jünger Christi gewesen waren, die errettet werden” (Stevenson, S. 6). In einer anderenVision sah er Angehörige des ZIONSLAGERS <Zionslager>, die im Kreis Clay in Missouri an der Cholera gestorben waren. Er sprach über deren Zustand und sagte zu den Überlebenden: “Brüder, ich habe die Männer gesehen, die in unserem Lager an der Cholera gestorben sind. Gott weiß, wenn ich eine so herrliche himmlische Wohnung wie sie erhalte, werde ich um nichts weiter bitten”(HC 2:181n). Auch die Organisation des Kollegiums der Zwölf Apostel und des Ersten Siebzigerkollegiums wurde Joseph Smith “in einer Vision und durch den Heiligen Geist” kundgetan, und im Februar 1835 schuf er diese Priestertumsämter (HC 2:182). In einer früheren Vision “sah er die zwölf Apostel des Lammes, die jetzt auf der Erde sind. Sie haben die Schlüssel dieses letzten geistlichen Dienstes in fremden Ländern inne und stehen in einem Kreis zusammen, sehr ermüdet, mit zerrissenen Kleidern, geschwollenen Füßen und gesenktem Blick. Jesus steht in ihrer Mitte, aber sie erblickten ihn nicht. Der Erretter sieht sie an und weint” (HC 2:381). Eine andere Vision ermöglichte es ihm, die Ortschaft Independence <Independence>, Missouri, als den “Mittelpunkt” [für die Sammlung der Heiligen der Letzten Tage] festzulegen (LPJS, S. 82). Über seine Vision von der Auferstehung der Toten sagte er folgendes: “Die Vision war so deutlich, daß ich tatsächlich Menschen sah, die noch gar nicht aus dem Grab hervorgekommen waren, sich aber langsam aufrichteten” (LPJS, S. 300). Er sah auch den Kirtland- und den Nauvoo-Tempel <Nauvoo-Tempel> in einer Vision, noch bevor mit deren Bau begonnen worden war und gab den Architekten genaueste Anweisungen, in denen er besonders auf Fenster und Licht einging. (JD 13:357; 14:273; HC 6:196–197.) Er sah die Schwierigkeiten der Heiligen der Letzten Tage beim Marsch über die Prairie voraus sowie bei der Gründung ihrer Siedlungen in den Rocky Mountains sowie ihr künftiges Los (HC 5:85n–86n).
Gegen Ende seines Lebens sagte er: “Ich denke Tag und Nacht darüber nach - und das bedeutet mir mehr als Essen und Trinken - wie ich den Heiligen Gottes die Visionen vermitteln kann, die wie eine gewaltige Brandung vor meinem Geist dahinrollen”(WJS, S. 196).
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LARRY C. PORTER